Oft kommt es in politischen Debatten innerhalb der linken Bewegung zu Streitigkeiten. Worüber ist dabei eigentlich nebensächlich. Mir fällt auf, dass diese Streitigkeiten oft darauf zurückzuführen sind, dass es innerhalb der Bewegung sehr unterschiedliche Wissensstände über sozialistische Theorien gibt. Dies – nicht ausschließlich – führt zu unterschiedlichen Positionen innerhalb von Parteien und Bewegungen. Dabei geht es mir gar nicht um Einigkeit (die ist mir relativ unwichtig), sondern wirklich um Wissensdifferenzen, die Auslöser für diese Streitereien sind. Gleichzeitig fällt mir zuweilen auf, dass die Bildungsbereitschaft vieler Genoss:innen sehr gering ausfällt.
Das wiederum frustriert dann diejenigen Genoss:innen, die bereits einen breiteren Theorieschatz aufgebaut haben. Es kommt zu Missverständnissen, zu Ablenkungsdiskussionen und Abwehrhaltungen bei den Genoss:innen, die weniger gelesen haben.
Diese Reaktionen sind auch ganz natürlich. Wer möchte schon die bequeme und heile gefestigte Welt verlassen und sich in eine unkomfortable Situation der unbefriedeten Neugier begeben? Warum sollte man die Gründe und Ursachen der gesellschaftlichen Misere verstehen wollen, wenn man sich auch einfach über sie empören kann? Ganz einfach! – Weil man sie nur dann überwinden kann, wenn man weiß, was sie auslöst!

Das Lesen und Verstehen sozialistischer Literatur ist für unsere Bewegung maßgeblich und notwendig. Wo bürgerliche Theorien und Ideologie an ihre Grenzen kommen, gehen sozialistische Autor:innen eben den notwendigen Schritt weiter und erklären uns das, was fehlt!
Ohne ein kollektive Auseinandersetzung mit diesen Werken wird auch eine Partei wie DieLinke enden wie die SPD, die Grünen und sämtliche sonstigen bürgerlichen Parteien.

In diesem Artikel soll es darum gehen, wie Genoss:innen sich mit sozialistischer, marxistischer und kommunistischer Literatur auseinandersetzen können, ohne daran zu verzweifeln oder übermaßig frustriert das Buch in die Ecke zu werfen.


Zunächst legen wir an dieser Stelle drei einfache Regeln fest, die es zu beachten gilt:

1.) Lesen ist kein Marathon!

Es geht nicht um Schnelligkeit oder darum möglichst vor jemand anderem fertig zu sein. Es geht um Wissensgewinn. Der steht im Vordergrund!

2.) Kleine Brötchen backen! Später dann Brot!

Frustration stellt sich ein, wenn man das Gefühl hat, noch sehr viel vor sich zu haben oder nicht voranzukommen.
Die Angst vor über 40 Bänden Marx und Engels oder über 40 Bänden Lenin kann erdrückend sein und hindert dich daran zu beginnen? Dann fang klein an!
Als Einstiegslektüre empfiehlt sich ein Buch, das belletristisch anmutet und erstmal wenig mit Sozialismus zu tun hat. Starten kann man mit „5 vor 1933 – Was die AFD vorhat – und wie wir sie stoppen“. Hierbei handelt es sich um klassische bürgerliche Politbelletristik, aber eben auch um antifaschistische Literatur. Weitermachen kann man dann mit dem „Manifest der kommunistischen Partei“ von Marx. Spätestens dann hast du dich auch an das Lesen als solches gewöhnt und kannst dich größeren Dingen zuwenden.

3.) Reflektieren und Fragen stellen!

Lesen ist kein Selbstzweck. Es geht dabei um Bewusstseinserweiterung und Erkenntnis. Es geht dabei um Verständnis und Weiterbildung. Reflektiere nach jeder Lesesession, was du gelesen hast. Formuliere nach jeder Lesesession Fragen, die du dir stellst, und die du geklärt haben möchtest! Das steigert die Lesemotivation für zukünftige Bücher und reizt die Neugier an!


Nachdem wir diese drei Regeln nun gerade haben, lass uns beginnen mit verschiedenen Lesemethoden, die das Lesen als Solches vereinfachen und es aus dem Selbstzweck zum Lernzweck erheben.

Methode 1: PQ5R – 7 Schritt-Lesemethode

Hierbei handelt es sich um die ausführlichste und angeleitetste Lesemthode

Methode 2: SQ3R – 5 Schritt-Lesemethoden

Diese Methode kann man nutzen, wenn man die PQ5R bereits verstanden hat. Sie unterscheidet sich nur geringfügig, ist aber etwas schneller.

Methode 3: Lesetagebuch – Begleitmethode für jedes Buch

Diese Methode solltest du eigentlich bei jedem Buch anwenden. Als Softwarelösung empfehle ich das Programm RedNotebook. Wie passend doch der Name erscheint :)

Quelle: https://studyflix.de/deutsch/lesetagebuch-8180

Natürlich muss die Methode auf das jeweilige Werk angepasst werden. Ich empfehle folgende Vorlage:

**__Buchtitel__**

Datum:

gelesene Seiten:


Thema:


Zusammenfassung:


Fazit:


Reflexionsgedanken:

Methode 4: Lesekreis – für geselliges Lesen

In einem Lesekreis findet ihr euch in einer kleinen Gruppe von 4-6 Personen zusammen. Gelesen wird gemeinsam, entweder direkt vor Ort (digital oder analog) oder im Vorhinein des Treffens der Personen. Nach dem Lesen wird das Gelesene besprochen und reflektiert. Wichtig ist dabei, dass die langsamste Person das Lesetempo vorgibt. Nur so können alle gleichermaßen daran teilhaben.


Und jetzt viel Spaß beim Lesen!


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